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Eil - Das sündige Dorf der Wilddiebe und Besenbinder.

 

 


Eil von 1268-1945
Eiler Schlagzeilen
Das Wappen von Eil
Erinnern Sie sich?

Eine Chronik bis zum Ende des zweiten Weltkrieges

Die älteste schriftliche Erwähnung von Eil stammt aus dem Jahr 1268. Da verkaufte die Probstei der Benediktiner zu Oberpleis ihre Güter zu Eil an den Ritter Sibodo von Blegge. Später kaufte Heinrich von Eller den Besitz und schenkte ihn der 1803 aufgegebenen Zisterzienserabtei Altenberg. Nach der Säkularisierung erwarb die Familie Meller aus Urbach den „Altenberger Hof". Die Schreibweise mit „ Y „ in unserer Frühzeit oder mit „ H „  wie im Mittelalter und jetzt mit „ I „ wird, so vermutet man, abgeleitet von Insel ( Eiland ), da der Ort auf einer Rheininsel lag. Östlich vom jetzigen Rheinverlauf lagen noch 3 zum Teil wasserführende Rheinarme ( Mauspfad, Frankfurterstr./ Heumarerstr. und Humboldtstr. ) Diese Arme zogen sich von Mondorf bis nach Stammheim / Leverkusen. Auffällig ist, daß kein Bach aus der Wahner-Heide oder dem Königsforst direkt in den Rhein fließt. Die Eiler Waldbäche versickern in Leidenhausen. Das genaue Alter von Eil ist nicht bekannt. Erste Besiedlungen im Porzer Raum stammen aus der Frankenzeit etwa im 7. Jahrhundert.

Da Eil geschichtlich unbedeutend war, ist aus der Frühzeit nichts Schriftliches bekannt. Es sei denn, man beachtet alte Flurbezeichnungen wie „ de Burg „ oder „ de Maar „ . Die „ Burg „ vermutlich ein Fränkischer Ringwall soll im Bereich des alten Eiler Friedhofs gestanden haben. Heute trägt noch eine Gaststätte diesen Namen. Die „ Maar"  war ein Wasserloch (alter Rheinarm ) das  nördliche Stück der Heumarerstraße. Erste urkundlich Erwähnungen über Eil sind in den seit  1656 erhaltenen Kirchenbüchern von Urbach zu finden, von der die spätere Pfarre St. Michael zu Eil bis 1918 abhängig war. 
 
Diese Chronik besagt, daß die Eiler 1656 aus eigenen Mitteln ein „Heiligenhäuschen", eine kleine Kapelle, zu Ehren der seligen Jungfrau Maria und des heiligen Erzengel Michael erbaut haben. Weiter heißt es, daß 1669 nach der Kölner Gottestracht die Pest zu Eil eingefallen sei, an der 7 Menschen gestorben sind. Dadurch war es den Eilern bis St. Laurentzius ( 10.8.) verboten, nach Urbach in die Kirche zu kommen. Aus dieser Zeit stammt wohl auch der 2. Pfarrpatron St. Rochus, der Pestheilige. Am 1. Juli 1681 wird in einer Urkunde die Bedingung für die Stiftung einer Vikarie und somit die Einstellung eines Geistlichen in Eil festgelegt. Die Finanzierung dieser Stiftung geht auf Spenden der Eiler Bevölkerung zurück. Dieser Geistliche, der zugleich Schulmeister war, mußte an 2 Werktagen, am Fest des hl. Michael, und gemäß eines Eiler Gelöbnisses am Fest des Pestheiligen St. Rochus in Eil eine Messe lesen.

Im Februar 1909 wird Eil Rektoratsgemeinde; die Gemeindegrenzen sind die gleichen, wie die der Gemarkung Eil. Der Grenzverlauf wäre heute für Eil im Süden etwa die Flughafenquerspange über die Frankfurterstraße, weiter über die  Königsbergerstraße. bis zur Eisenbahn, an dieser entlang nach Norden zur Steinstraße. diese nach Osten über den Maarhäuserweg ( Peter-Herrmannstraße) durch das Mühlens-Gelände bis zum Mauspfad und diesen nach Süden bis zur Flughafenautobahn.


Die Eiler Gemeinde wird am 20.1.1918 zur Pfarre erhoben und ist mit diesem Tage selbständig. Die ab der Fertigstellung der neuen Kirche nicht mehr genutzte Kapelle wird vorerst  Jugendheim,  und dann 1928 wegen Baufälligkeit vom Schlossermeister Wilhelm Lohmar abgerissen. Das Grundstück ( Platz vor der Lindenwirtin) wird für 900 Reichsmark an die Gemeinde verkauft.               

Bis auf wenige Familien war Eil ein armes Dorf. Das Vieh der „Nebenerwerbsbauern", wurde über Tag geschlossen in den Gemeindewald getrieben und dort geweidet, weil dafür nicht genügend privates Land zur Verfügung stand. Im Gemeindewald durfte jeder Sammelholz, Streu und Heidekraut holen. Weil dieses Material billig zu erhalten war, verdienten sich viele Eiler ihr Geld als Besenbinder, womit wir beim Besenbinderdorf wären. Der Gemeindewald, später Erbenwald genannt, wurde 1864 verkauft und ging größtenteils in den Besitz des Freiherrn von Mirbach in Leidenhausen über. Der Begriff Eiler Wilddiebe wird wohl auch aus dieser Zeit stammen, denn mit Fallenstellen oder Frettchenjagen wurde  oft für den Sonntagsbraten gesorgt. Es wird von Eilern berichtet, die Ihr Frettchen stets im Hemd oder der Hosentasche bei sich trugen.

 

Der Begriff Eil „das sündige Dorf" wurde geprägt in einer Zeit, in der öffentliches Vergnügen nur zur Kirmes oder ähnlichen Festen erlaubt war. Eil hatte im Vergleich zu den Nachbarorten die meisten Kneipensäle, die zu diesen Anlässen auch von Auswärtigen besucht wurden, und so zur Rufschädigung von Eil beitrugen. Es wurde an diesen Festen ja nicht nur getanzt, sondern auch viel selbstgebrannter Knollenschnaps konsumiert.

Die Entwicklung von Eil ging rasant voran, wie es diese Zahlen über einen Zeitraum von 150 Jahren beweisen:


  Jahr                Einwohner          Häuser
 1845                     760                   133
 1925                    1316                   271
 1980                    7936                 1290
 1990                    8143                 1304
 1995                    8418                 1396

Am 20.12.1927 geht das Rittergut Leidenhausen in den Besitz von Peter Mühlens auf Burg Röttgen über. Somit hat Mühlens den größten Landbesitz in der Gemeinde Porz. Und 80 % seines gesamten Besitzes liegen in der Gemarkung Eil, zahlt aber dort zum Leidwesen der Kirche keine Kirchensteuer. Mühlens zeigt sich aber mit jährlich ca. 1000 Reichsmark für die Armen den Eilern zugetan. Im gleichen Jahr lässt sich ein Arzt in Eil nieder, der aber nicht lange bleibt, da die Eiler zu gesund sind.
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Am 4. 9.1939 gab es den ersten Fliegeralarm, dem noch viele Hundert in der Zeit bis 1945 folgten. . Der schlimmste Angriff traf Eil am 28.1.45, als eine Bombe auf den Vorplatz der Kirche fällt und diese stark beschädigt. Das Haus der Familie Neu gegenüber wird dabei total zerstört.  An der Bergerstr. ( etwa wo jetzt der Gasballon steht )  war eine Flakbatterie in Stellung. Notdürftig hergerichtete Bunker in der Schulstraße. und am  Kellereiweg boten den verängstigten Menschen Unterschlupf. Ein Erdbunker an der Frankfurterstraße. ( ehem. Schießstand, jetzt Auto Delta ) ist niemals fertig geworden. Trotz Kriegswirren konnte der Unterricht an der Schule die ganze Zeit weitergeführt werden. . Am 17.3.45 soll auf hohen Befehl Eil evakuiert werden, doch keiner geht, da alle die Ausplünderung von Eil befürchten. Am 11. 4. 1945 ist der Krieg mit dem Einmarsch der Amerikaner in Eil zu Ende, es sind 14 Tote  und 29 gefallene Soldaten zu beklagen. 6 sterben in Gefangenschaft. 1946 haben von 106 Kriegsgefangenen 53 noch kein Lebenszeichen von sich gegeben.